Auf in den Sattel –
Ziel war der Eiffelturm und Saint-Maur-des-Fossés

Bad Oeynhausen, Beelen, Nordkirchen, Wesel, Roermond (NL), Zolder (BE), Leuven (BE), Brüssel (BE), Maubeuge (BE), St. Quentin (FR), Compiegne, Mitry-Mory, St. Maur – das waren die Orte, in denen die 14 ADFC’ler auf ihrer Reise von Hameln in die Partnerstadt Saint-Maur-des-Fossés übernachteten. Vier der sechs Gründungsstaaten der EU wurden durchfahren.

Nachdem Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese die sportliche Gruppe vor dem Rathaus verabschiedete hieß es „Auf den Sattel, in die Pedalen treten, die Räder rollen lassen“. Das Wetter spielte mit, die Laune war genial. Alle waren frohen Mutes, - das schaffen wir. In St. Maur sollte die Partnerschaft mit dem dortigen Bürgermeister und Claudio Griese erneut besiegelt werden. Auf ging’s.

Horst Maler und Hans-Georg Kunz vom ADFC Hameln hatten die Tour einwandfrei vorbereitet. Die Routen und auch die Unterkünfte waren einwandfrei. Die Radler (sieben mit e-bikes, sieben mit eigener Muskelkraft) fanden an jedem Ort eine Übernachtung vor, die  so manche positive Überraschung mit sich brachte. Frühstück in einem malerischen Schloss mit Blick auf einen idyllischen See zum Beispiel – hier galt es aber vor der Oase im Wald einen etwas hartnäckigen Berg zu erklimmen. Aber für die Sportler war das kein Thema. Schwungvoll und voller Elan wurde jeder Anstieg gemeistert.

Auch war die Beschaffenheit der Wege nicht immer nur Asphalt. Schotter und auch mal mit 30 cm hohem Gras bewachsene Wege galt es zu überwinden. Das waren dann ganz besondere Herausforderungen. Gaben der Tour dann den ganz besonderen Kick.

Die Laune war gut, Holland war nach fünf Tagen erreicht. Hier fiel ganz besonders die überaus rücksichtsvolle Fahrweise der Autofahrer in Bezug auf die Radfahrer auf. Aber auch in Belgien war es nicht anders. Die Radler fühlten sich sicher, es machte einfach nur Spaß, die Räder surren zu lassen. Pausen gab es reichlich und auch an Verpflegung mangelte es nicht. Pommes in Belgien, die waren ebenso Pflicht wie „Hamburger“ im Hardrock-Cafe in Paris. Aber Frankreich war noch nicht erreicht.

Das Gepäck wurde mit einem Bully von Hotel zu Hotel transportiert, - hier entstand an manchen Tagen ein kleines Problem: Keiner der Radler hatte so richtig Lust, Bulli statt bike zu fahren. Aber auch das wurde kameradschaftlich jeden Tag aufs Neue gelöst. Angekommen am Hotel, war die erste Amtshandlung der Sportler: Völlig durchgeschwitzt noch vor der Dusche, die erste Flasche Bier am Bulli. Wieder ein Etappenziel erreicht.

Auch wurde die Mittagspause einfach nur mal im Rasen mit einem kleinen Picknick verbracht. Denn in Frankreich traf die Gruppe um die Mittagszeit in kleinen Orten ein, wo keine Menschenseele zu sehen war. Die Geschäfte und Restaurants geschlossen – alle zogen sich aufgrund der Hitze in ihre Häuser zurück. Aber den Radlern machte es nichts aus – solch ein Picknick hat schließlich auch seinen Reiz. Oder es war einfach kilometerlang Natur pur. Störche und seltene Vögel waren  keine Seltenheit. Auch Mohnblumen- oder Kornblumenfelder säumten den Wegesrand. Die Strecken waren zum Teil so einsam, dass es keine andere Möglichkeit gab als ein gemütliches Picknick.

Nur anhand der Nummernschilder an den PKW’s erkannte man, dass man das Land gewechselt hatte. Frankreich war erreicht. Die Situation auf den Straßen wurde „ruppiger“. Nach ständigem bergauf und bergab war er in weiter Ferne zu sehen: der 324 Meter hohe Eisenfachwerkturm – der Eiffelturm. Das Ziel war fast erreicht.  Aber vorher galt es noch, die Metropole Paris zu durchradeln. Hektisch, chaotisch, laut – das sind die richtigen Worte für diese lebendige Stadt. Es war ein Abenteuer, sich mit den PKW’s den Bussen und den Radfahrern gekonnt die Straße zu teilen. Aber auch das gelang den Radlern aus Hameln. Vorbei am Moulin Rouge war nach aufregender Fahrt das Ziel erreicht. Er war zum Greifen nah. Ein richtiger Koloss – dieser Turm. Nach kurzer Verschnaufpause unter dem Turm ging es auf lebhaft befahrenen Bundesstraßen weiter zu dem Endziel: Die Partnerstadt St. Maur. Der Bulli war schon da, und auch Claudio Griese und seine Delegation nach einer schweißtreibenden Fahrt per PKW waren angekommen. Nach alter Tradition gab es das obligatorische Bier am Bulli.

Endlich eine Unterkunft für drei Nächte. Welch ein Luxus. Pizza vom Bringdienst, denn Sonntags haben in Frankreich fast alle Restaurants geschlossen. Man glaubt es kaum. Aber so sind sie – die Franzosen.

Der nächste Tag stand unter dem Zeichen der Zeremonie der Städteverbindung im Rathaus von St. Maur. Die Radler fuhren mit großem Applaus auf den Rathausvorplatz ein und Bürgermeister Griese präsentierte anhand von Schautafeln die Stadt Hameln. Interessiert zeigte sich eine Delegation der Stadt St. Maur. Anschließend fand im festlichen Saal des Rathauses die erneute Besiegelung der Partnerschaft durch die beiden Bürgermeister statt. Der Bürgermeister von St. Maur überreichte an die Radler des ADFC einen Trink-Becher und sprach ebenso wie Claudio Griese ein ganz besonderes Lob an sie für die gefahrenen 1.033 Kilometer aus. „Wir müssen noch viel trainieren, um da eines schönen Tages mithalten zu können“, so die beiden Herren.

Auf dem mittelalterlichen Markt mit Gauklern und Handwerkern der mittelalterlichen Zunft wurde der Tag zu einem weiteren Vergnügen. Hamelner Handbrot, französischer Käse und dazu das passende Glas Wein in geselliger Runde unter freiem Himmel – so stellt man sich das Leben in Frankreich vor. Und wer darf auf solch einem Fest auf gar keinen Fall fehlen ? Genau – der Rattenfänger von Hameln. Mit seiner Flöte und seinen Geschichten zog er nicht nur die Kinder auf dem Fest in seinen Bann. Alt und Jung folgten ihm und seiner Flöte quer durch die Grünanlagen von St. Maur.

Den Tag vor der Abreise hatte der Radclub aus St. Maur organisiert. Über Stock und Stein, durch Matsch und über umgefallene Bäume und Wurzelwerke führten sie uns – ein Eldorado für Mountainbiker. Aber nicht für Stadträder, geschweige denn für e-bikes. Auch führte der Weg ab und zu ins Nirwana – so eine richte Orientierung hatten die freundlichen französischen Guides irgendwie nicht. Also hieß es: zwei Kilometer wieder zurück und wieder die Räder über die Bäume heben. Abenteuer pur. Auch das gehört dazu. Belohnt wurde die Strapaze an einem zauberhaft gelegenen See bei Wein aus dem Tetrapack am Rad montiert und Käse, wie man ihn nur in Frankreich kennt. Zurück zum Hotel ging es dann zügig über asphaltierte Straßen.

Die Räder wurden verladen, die Fahrt mit der Bahn stand bevor. Es hieß Abschied nehmen. Bis Kassel-Wilhelmhöhe ging alles gut. Dann streikte die Klimaanlage der Bahn. Nach langem Aufenthalt und kostenlosen alkoholfreien Getränken wurde der Zug geräumt und die Fahrt wurde mit Regionalzügen fortgesetzt. Per Rad wäre das nicht passiert!

Die Gruppe wird noch lange von dieser einmaligen Tour zehren, denn Zusammenhalt und ganz viel Spaß standen im Mittelpunkt und werden so schnell nicht in Vergessenheit geraten.

Text und Fotos: Karin Kellerer

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